Yin-Yang und die Fünf Elemente sind die wichtigsten Theorien der TCM. Die Theorie von Yin-Yang besagt, daß sich alle Dinge in zwei Polaritäten teilen lassen in Yin und Yang. Alle Erscheinungen und Veränderungen des Lebens und alle Naturphänomene lassen sich aus dem wechselseitigen Zusammenspiel von Yin und Yang ableiten; Die Fünf Elemente nämlich Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser werden gleichsam als Synonyme für alle Erscheinungen in und um uns verwendet. Diese fünf Dinge werden in verschiedene Beziehungen zueinander gesetzt und mit ihnen alle Dinge, die ihnen in der Lehre der Entsprechungen zugeordnet sind.
Die Theorien von Yin-Yang und den Fünf Elementen waren zwei Arten der Naturanschauung im alten China. Sie beinhalteten ein einfaches Konzept von Materialismus und Dialektik und förderten aktiv die Naturwissenschaft in China. Die alten Ärzte wandten diese beiden Theorien auf ihren Gebieten an, welche die Bildung und Entwicklung des theoritischen Systems der traditionellen chinesischen Medizin stark beeinflußten und die klinische Arbeit bis in die Gegenwart bestimmten.
Yin-Yang
Die Theorie von Yin und Yang beinhaltet, daß jedes Objekt oder Phänomen im Universum aus zwei gegensätzlichen Aspekten besteht, nämlich Yin und Yang. Diese beiden Aspekte befinden sich gleichzeitig sowohl im Gegensatz zueinander als auch in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander z.B. Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Ruhe und Bewegung usw. Die Beziehung zwischen Yin und Yang ist das umfassende Gesetz der materiellen Welt und das Prinzip und die Quelle der Existenz aller Dinge.
Die Theorie von Yin-Yang erklärt hauptsächlich die Gegensätzlichkeit, die gegenseitige Abhängigkeit, den wechselseitigen Verbrauch und die wechselseitige Umwandlung von Yin und Yang. Diese Zusammenhänge zwischen Yin und Yang werden in der traditionellen chinesischen Medizin sehr weitgehend dazu gebraucht, die Physiologie und Pathologie des menschlichen Körpers zu erklären und bei der klinischen Arbeit der Diagnose und der Behandlung als Richtlinie zu dienen.
1. Die Gegensätzlichkeit von Yin und Yang
Yin und Yang sind entgegengesetzte Stadien, entweder eines Zykluses oder von Aggregationszuständen. Nichts in der natürlichen Welt entkommt dieser Gegensätzlichkeit. Es ist dieser allerinnerste Widerspruch, der die treibende Kraft jeglichen Wechsels, jeder Entwicklung und jeden Verfalls der Dinge liefert.
Der Gegensatz ist relativ, nicht absolut. So ist der Frühling Yang in Relation zum Winter, jedoch Yin im Vergleich zum Sommer.
2. Die gegenseitige Abhängigkeit von Yin und Yang
Yin und Yang sind einerseits Gegensätze, können aber andererseits ohne einander nicht existieren. Alles enthält gegensätzliche Kräfte, die einander zwar ausschließlich, aber zur gleichen Zeit voneinander abhänig sind. Ohne Licht gibt es keinen Schatten; und ohne den Begriff des Schattens ist der Begriff des Lichtes sinnlos.
3. Der wechselseitige Verbrauch von Yin und Yang
Yin und Yang stehen in einem dauernden dynamischen Gleichgewicht, das durch die kontinuierliche Abstimmung der relativen Regel von Yin und Yang aufrechterhalten wird. Geraten entweder Yin oder Yang aus dem Gleichgewicht, so beeinflussen sie einander notwendigerweise und ändern ihr Verhältnis zueinander, um ein neues Gleichgewicht zu erreichen.
4. Die wechselseitige Umwandlung von Yin und Yang
Yin und Yang sind nicht statisch, sondern wandeln sich ineinander um. Yin wandelt sich zu Yang und umgekehrt. Wenn es den Punkt seines Extrems erreicht hat, verkehrt es sich in sein Gegenteil. Sommer geht in Winter über, Tag in Nacht, Hitze in Kälte und umgekehrt
Die Anwendung von Yin-Yang auf die Medizin
In der gesamten Physiologie, Psychologie, Diagnostik und Therapie der TCM geht es letzendlich um die Beziehung zwischen Yin und Yang und deren Störungen.
Das Ziel jeder Behandlung im Sinne der TCM ist, das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang zu bewahren oder herzustellen.
Dabei gilt der wichtige Grundsatz: Immer zuerst Defizite aufzufüllen und dann erst zu reduzieren.
Dieser Grundsatz ist deshalb so wichtig, weil Mangel oder Überschuß keineswegs absolut sein müssen, es gibt auch relative Mangel- und Überschußzustände.
Gesundheit bedeutet Gleichgewicht von Yin und Yang.
Ist eines der beiden erheblich schwächer als das andere, dann ist die Balance und damit die Gesundheit gestört.
Eine Verschiebung des Gleichgewichtes kann verschiedene Ursachen haben und es muß nicht jedes Defizit und jeder Überfluß echt sein: Die TCM ist eben eine Medizin der Relationen:
-- echtes Yang-Difizit mit echtem Yin-Überschuß
-- echtes Yang-Difizit bei normalem Yin
-- Defizit von Yang und Yin, aber relativ stärkeres Yang-Difizit
-- echtes Yin-Difizit mit echtem Yang-Überschuß
-- echtes Yin-Difizit bei normalem Yang
-- Difizit von Yin und Yang, aber relativ stärkeres Yin-Defizit
Die Behandlung eines Defizits von Yin und Yang bei relativ größerem Defizit eines Faktors wird naturgemäß anders sein müssen als die Behandlung echter Überschuß-/Mangelzustände.
Yin-Yang und die Körperstruktur
Jeder Teil des Körpers hat einen überwiegenden Yin- oder Yang-Charakter, was in der klinischen Praxis von Bedeutung ist. Die Eigenschaft ist nur relativ. Beispielweise ist der Thorax im Verhältnis zum Abdomen Yang, aber Yin in bezug auf den Kopf.
Wenn man den Körper als Ganzes betrachtet, so gehören die Körperoberfläche und die vier Extremitäten zu Yang, da sie außen liegen. Die Organe Zang-Fu liegen innen und gehören zu Yin. Betrachtet man dagegen die Körperoberfläche und die vier Extremitäten alleine, gehört der Rücken zu Yang, während die Brust und der Bauch zu Yin gehören. Die obere Körperhäfte über der Taille gehört zu Yang, die untere Körperhäfte gehört zu Yin. Der seitliche Anteil der vier Extremitäten gehört zu Yang der mediale Anteil zu Yin. Dementsprechend gehören die Meridiane, die an der Außenseite der Extremitäten verlaufen, zu Yang, während die Meridiane, die an der Innenseite verlaufen, zu Yin gehören. Spricht man alleine von den Organen Zang- Fu, so gehören die Organe Fu zu Yang, dagegen gehören die Organe Zang zu Yin.
Obwohl die Gewebe und Strukturen des menschlichen Körpers und ihrer Funktionen sehr komplex sind, können sie durch die Beziehung von Yin und Yang erklärt werden.